Gegendarstellung FT v KHG

Gegendarstellungen, Widerrufe etc werden viel zu oft vergessen, weswegen ich hier einige auflisten werde. Wichtig ist: Ich suche keine Gegendarstellungen, es sind also nur welche, über die ich zufällig gestolpert bin, die Häufigkeit basiert also nicht auf der Unzuverlässigkeit der Medien sondern nur, ob ich dieses zum richtigen Zeitpunkt konsumiert habe oder ob es jemand von der Forencommunity reinpostet.
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dejost
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Gegendarstellung FT v KHG

Post by dejost » 07 Dec 2006, 09:15

Es ist keine klassische Gegendarstellung, aber dieser Schnitzer sollte unvergessen sein.
(Davon abgesehen ist Eigenlob schon alleine peinlich, auch wenn es berechtigt gewesen wäre)
Finanzminister Karl-Heinz Grasser hat in den letzten Wochen mehrmals stolz darauf verweisen, dass er "vor kurzer Zeit in der 'Financial Times' zu einem der besten europäischen Finanzminister gewählt worden" sei. Der Autor des betreffenden Artikels, Ralph Atkins, weist das allerdings zurück.

Position innerhalb der Regierung
Im von Grasser zitierten Ranking sei es lediglich um den Stellenwert des Finanzministers innerhalb der eigenen Regierung gegangen, sagt Atkins im "Format". Im Artikel über Fachkompetenz und ökonomische Erfolge der EU-Finanzminister kommt Grassers Name dagegen überhaupt nicht vor.

In der ZIB2 vom 27. November hatte Grasser behauptet, er sei "vor kurzer Zeit in der 'Financial Times' zu einem der besten europäischen Finanzminister gewählt worden (...)".

Erster im Alphabet
In der Liste der "effektivsten" Finanzminister Europas scheint Grasser zwar an erster Stelle auf - allerdings nur, weil die Reihung in alphabetischer Ordnung erfolgte. Außerdem sei es bei dem Ranking nicht darum gegangen, wer der Beste in Europa sei, sondern um den Stellenwert des jeweiligen Ministers in seiner Regierung, sagt Atkins.

Und hier habe Grasser wegen seines Naheverhältnisses zu Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) drei Sterne bekommen, heißt es in einer Vorabmeldung von "Format".

Im Text nicht erwähnt
Im zugehörigen Artikel vom 1. November, der auch die Fachkompetenz der Minister und ihre ökonomischen Erfolge bewertete, wurde Grassers Name allerdings nicht einmal erwähnt. Als beste Minister gewertet wurden der Ire Brian Cowen, der Holländer Gerrit Zalm und der Finne Eeno Heinaluoma.

Atkins dazu: "Ich habe den österreichischen Finanzminister nicht erwähnt, weil die budgetpolitischen Indikatoren nicht für eine Topplatzierung in puncto Leistung des Ministers ausreichen."
Die Aussendungen der anderen Parteien, gerade in solchen Fällen sind mehr als entbehrlich.
Auf den sozusagen am Boden liegenden KHG hinzudreschen ist nur feige und stellt einen selber in ein schlechtes Bild, aber die Parteisekretariate haben das immer noch nicht gecheckt (und die WählerInnen auch nicht).
Unpassend daher, aber doch originell ist diese Reaktion:
Ob eine Reihung nach dem ABC oder nach Qualitätskriterien erfolgt, macht landläufig einen Unterschied. Es ist kein Wunder, dass Österreich beim PISA-Test so schlecht abschneidet, wenn nicht einmal der Finanzminister ausreichend sinnerfassend lesen kann.

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