Original vs Remake

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Moderator: Gabriel Ritter

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Original vs Remake

Post by dejost » 30 May 2014, 11:03

Wir sind ja schon lange an einem Punkt angekommen, wo fast alles schon mal da war, und sich Kultur- und Kreativschaffende oft nichts Neues überlegen, sondern einfach das alte nochmal machen.

In diesem Topic können alle Originale mit Remakes vergleichen, aus allen Bereichen von Musik bis Malerei.

Von meiner Seite werden hauptsächlich Filmremakes beigesteuert werden.

Im Comicfilmtopic gibt es schon Spiderman 2002 und Spiderman 2012

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Re: Original vs Remake

Post by dejost » 30 May 2014, 11:24

Total Recall 1990 vs 2007

Vorbemerkung: Der erste Film basiert auf einer Kurzgeschichte von P K Dick, "We Can Remember It for You Wholesale", der zweite wohl auf dem ersten und der Kurzgeschichte.

1990:
Ein Film mit Arnold Schwarzenegger. Schwarzenegger ist eine Klasse für sich, vielleicht nicht Oberklasse, aber doch eine eigene Klasse. Er gibt dem Actionthema eine gewisse leichte Note, witzige Einschübe sind immer wieder drinnen.
Der Spannungsbogen hält, der große Plottwist ist sehr gut gemacht, auch wenn Schwarzeneggers schauspielerische Leistung hier sicher nicht überragend ist.
Als Kommentar oder Satire taugt der Film nur eingeschränkt.

2007:
Hier geht es Süden gegen Norden und nicht mehr Erde gegen Mars, was aber beides eine gleichartige Imperialismuskritik hat.
Der 2007er reduziert die Rollen - Quaids Fakefrau ist jetzt zugleich die Polizeichefin, größere Frauenrollen in Actionfilmen sind iZw zu begrüßen. Die Widerstandbewegung wird dafür kleiner.
Der ganze Film ist im Vergleich sehr bierernst, dafür hat er ein paar gute Hommagen an das Original, wie zB die Szene mit der Verkleidung, oder Träne statt Schweißtropfen bei der Szene, wo sie ihm einreden wollen, es ist alles nur ein Traum.
Beim 1990er bleibt immer ein bisschen offen, ob nicht alles wirklich nur ein "recalled" Traum ist, beim 2007er ist klar, dass es das nicht ist, wobei es einen Director's Cut geben soll, wo es wieder so ist wie im Original.

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Re: Original vs Remake

Post by dejost » 30 May 2014, 12:46

Robocop (1987) und Robocop 2 (1990) vs Robocop (2014)

1987:
Robocop ist natürlich vordergründig ein Actionfilm, wo viel geballert wird, ab und an mal was explodiert und sehr viel Blut bei jeder der zahlreichen Schusswunden fließt.

Davon abgesehen ist es eine Satire und ein Kommentar zu den 1980er:
Yuppies, Privatisierung, Gentrifizierung, menschenverachtende Gier/Kapitalismuskritik, die Menschmaschine sind Themen die zumindest angeschnitten werden.
Das ist stellenweise recht plump, zB gibt es am Anfang eine Szene wo sie ein Konkurrenzprodukt zu Robocop zeigen, dieses funktioniert aber nicht richtig und erschießt irgendeinen Mitarbeiter (ganz viele Kugeln und ganz viel Blut, und er stirbt direkt auf dem Gentrifizierungsprojektsmodell), stellenweise subtiler (allein der Name "Omnicorp", oder dass die Polizei privat ist, aber sich immer noch so verhält wie eine staatliche Polizei).
Nett sind auch die eingeblendeten Werbungen für menschenverachtende Produkte und die Fernsehnachrichten, wo irgendwelche (Umwelt-)Katastrophen erwähnt werden.

Das ganze noch gekrönt mit Frank Wellers Robocop-Bewegungen, in Summe durchaus ein blutiger Klassiker.

Robocop 2
Das Sequel macht recht wenig, was der erste Teil nicht auch schon gemacht hat: Er ist wieder ähnlich satirisch, ohne dass er jetzt groß neue Themen anschneidet.
Die Möglichkeit, Robocop mit seiner Familie zu konfrontieren, handeln sie recht effektiv ab: Omnicorp redet ihm ein, er kann seiner Frau nichts mehr bieten, und er sagt ihr gleich zu Beginn des Films, er sei nur eine Maschine, der man zu Ehren des verstorbenen Murphys sein Gesicht angeklebt hat - selbst nennt er sich aber weiterhin Murphy und das ganze wird nicht weiter besprochen. Effektiv ja, gut nein - und ist dabei vermutlich nicht als Metakommentar gedacht.
Als gute Einfälle ist zu bewerten, dass Omnicorp die Stadt durch einen provozierten Streik in Zahlungsverzug geraten lassen will, damit sie nachher gleich die ganze Stadt übernehmen können (und ihr Gentrifizierungsprojekt aus Teil 1 fortsetzen), der Bürgermeister ist in diesem Zusammenhang als gelungener Charakter zu nennen. Die Psychologin als neue Yuppie-Böse ist auch sehr gut (die Schauspielerin arbeitet derzeit als Psychologin), die zur Abwechslung auch gar nicht umgebracht wird, sondern am Schluss als Sündengeiss für das ganze Desaster herhalten muss.
Die seinerzeitige Kritik fand den minderjähren, drogendealenden Schwerverbrecher jenseitig, ich fand ihn aber ganz ok.
Es fehlt ihm etwas der rote Faden oder die große Idee.

Unterm Strich nicht so gut wie Teil 1, aber solide.

Robocop 2014
Das Remake entfernt sich schon sehr weit von der Vorlage.
Omnicorp ist hier noch nicht so übermächtig, sondern "nur" Teil des militärisch-industriellen Komplexes, die mit einem neuen Produkt in den Zivilmarkt wollen, und dabei aber vom Gesetzgeber in den USA ausgegrenzet werden, der Roboter/Drohnen in den USA - nicht im Ausland - verbietet.
Was das Original verabsäumt hat, nämlich seiner Familie eine größere Rolle zu geben, wird hier gut nachgeholt. Auch sein innerer Konflikt wird hier mehr in den Mittelpunkt gerückt.
Interessant ist, dass sie hier die Maschine zunächst als überlegen darstellen, sie manipulieren sein Gehirn sogar so weit, dass er glaubt, die CPU-Entscheidungen wären seine eigenen (und er wird dadurch wirklich zum Roboter) und dadurch ein besserer Kämpfer. Letztlich überwindet er aber - wohl nur aus Willenskraft - die Vorgaben und wird wieder zum Menschen (zumindest psychisch, physisch natürlich nicht).
Korruption ist hier wieder wie gehabt, Omni gehört nicht einfach (legal!) die Polizei, sondern einzelne Polizisten lassen sich vom organisierten Verbrechen kaufen.
Bierernst ist auch dieser Film - offensichtlich konnten man in den 1980ern besser unernsten Ton treffen, ohne ins Alberne abzugleiten.
Einen leicht imperialistischen Unterton kann man den Szenen am Anfang im Besatzungsland leider nicht absprechen.
Gut fand ich dafür, dass immer Public Relations, Werbung etc eine größere Rolle in den Überlegungen von Omni spielen.

Als Hommagen finden sich insbesondere ein paar Einzeiler, wie "Dead or alive, you are coming with me", oder "I'd buy that for a dollar". Die Schlagzeilen gibt es nur mehr als Inserts, die Werbeeinschaltungen gar nicht. Robocop sieht ganz anders aus und geht auch ganz anders als zuvor.

Gerettet wird das ganze im Wesentlichen durch Pat Novak, einen Fernsehmoderator, der seine eigene Show hat und eine eigene, robofreundliche Agenda verfolgt. Es ist das letzte, verbleibene satirischer Element (relevanter Größe).

Als Actionfilm fand ich ihn eher unaufregend.

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Beauty and the Beast (1991) vs Beauty and the Beast (2017)

Post by Gabriel Ritter » 02 Jan 2018, 19:42

Beauty and the Beast (1991, Animation) vs Beauty and the Beast (2017, Liveaction) (Die Schöne und das Biest)

Zum "Original":
Mit Märchen ist das ja so eine Sache. Die gehen zumeist auf noch ältere Sagen, Fabeln usw zurück (hier Eros & Psyche, ev Prinz Marcassin), die Frage nach dem Original ist für den Zweck eines Hobby-Blogs dann wohl etwas zu weit gefasst.
Das gängige "Original" stammt aus Frankreich aus dem 18. Jahrhundert, hat für Märchen die Besonderheit, dass es sich bei Belle um eine (verarmte) Kaufmannstochter (also weder Bauern noch Adelige) handelt. Der pädagogische Zweck des Märchen soll es sein, eine positive Stimmung für arrangierten Ehen zu schaffen.
Und zum Thema Originale sei noch erwähnt, dass es aus 1946 einen klassischen französischen Film gibt mit dem selben Titel, in dem ebenso ein weiterer Verehrer auftaucht (dargestellt vom selben Schauspieler, der auch das Biest und den Prinzen spielt) und es einen verzauberten Kerzenständer gibt.

Beauty and the Beast (1991, Animation)

Der Film findet sich in mehreren Listen a la "Beste Animationsfilme aller Zeiten" und das zu recht.
Das Musicalformat geht mit der Animation und der Grundstory - eine Liebesgeschichte - ausgezeichnet Hand in Hand, auch wenn die Story dadurch stellenweise sehr komprimiert bzw in einen zeitlich zu engen Rahmen geengt wird.
Belle ist, was schon bei Arielle kurz zuvor begonnen hat, eine Disney-Prinzessin, die selbst versucht ihr Schicksal zu lenken und nicht nur willfähriger Spielball von Flüchen, Zaubern oder Geburtsstand ist. Sie ist auch - Einzelkind mit Erfinder als Vater - als Intellektuelle inszeniert, wobei sich das darin erschöpft, dass sie Bücher mag und gerne um sich hat, beim Lesen lässt sie sich hingegen kaum erwischen. In ihrer Abneigung gegen das Provinzielle (primär nur das erste Lied) schimmert dafür aber auch ein etwas eigenartiger Elitismus durch. (Komisch ist auch, dass sie ihre Bücher im Geschäft borgt, was im Remake geändert wurde).
Die animierten Gegenstände sind gelungene Karikaturen ihrer selbst, was sich nach der Rückverwandlung noch besser zeigt.
Der meiner Meinung nach beste Charakter ist aber Gaston - er ist das wahre Biest, nämlich einfach ein schlechter Mensch: Machismo, Hybris, Chauvinismus, Narzissmus und noch eine Portion Naturverachtung in Form eines schon beinahe lächerlich attraktiven, athletischen Adonis. (Soweit ich weiß auch der erste Disney-Schurke, der nicht so aussieht). Dabei will er nicht die Krone, die Weltherrschaft oder Geld - er hält sich einfach für den Besten, dem alles zusteht, wobei er nicht über den Tellerrand hinauskommt.

Beauty and the Beast (2017, Liveaction)

Der Film wurde gut angenommen und kommerziell äußerst erfolgreich.
Er bleibt dem Original ergeben, über weite Strecken geradezu sklavisch, bessert aber doch einige kleine Macken aus: Belle wird gescholten, weil sie einem Mädchen das Lesen beibringt, wie erwähnt borgt sie sich Bücher nicht mehr Geschäft usw.

Ein paar Dinge gibt er dazu - etwas mehr Hintergrundgeschichte für Belle und Beast (macht nichts besser, aber liegt wohl auch daran, dass man sonst nicht Kevin Kline für den Vater von Belle gebraucht hätte), eine Beziehung vom Schloss zum Dorf (schadet jedenfalls nicht) und ein paar einzelne Lieder.

Ein Charakter ist in der 2017er Version deutlich besser als ein Vierteljahrhundert davor: Le Fou.
1991 ist er nur ein hässlicher, leidensfähiger Sidekick, der Archetyp von diesen Handlangern, die in schlechten und mittelmäßigen Zeichentrickfilmen und -serien im Dutzend um die dortigen Bösen herumschleichen.
2017 ist er - gezwungenermaßen - ein normaler Mensch, der auch einen Grund hat, sich all das von Gaston gefallen zu lassen, weil er einfach auf ihn steht. Gegen Ende erkennt er dann auch, dass es einseitig ist und bleibt und löst sich aus dieser ungesunden Beziehung. (Angemerkt sei, dass er vermutlich der erste halbwegs offen schwule originale Disneycharakter ist). Wenn wir schon bei Diversity sind: Es sind nicht mehr alle Charaktere weiß, wobei es sich dabei nur um kleine Rollen handelt.

Das Biest hat die Transformation gut überstanden, Belle auch, andere hingegen weniger:

Gaston ist einfach nur mehr ein eitler Geck, das Überzeichnete musste verloren gehen und damit bleibt er nur mehr der andere Verehrer, ein Nebencharakter zum Vergessen.

Bezüglich der Haushaltsgegenstände/Dienstboten ist der Vergleich schwieriger - zum einen sind abgesehen von den 4 Hauptfiguren jetzt einige andere mit von der Partie, und dann ist es auch hier zwingend, dass Lumiere in Kerzenform einfach nicht so aussehen kann wie Obi Wan Kenobi in Phantom Menace McGregor. Daher sind die Gegenstände viel weniger menschlich, dafür übertrieben detailliert, und erinnern optisch viel mehr an die Transformer als an ihre gezeichneten Vorgänger.
Auch sonst verliert sich das Set in zahlreichen Details und wirkt stellenweise zu überladen. Dem Film schadet das aber nicht.


Alles in allem ein gut gelungener Film, wenngleich nicht besser als das Original, aber auch nicht so uneigenständig wie Cinderella.
Bin schon gespannt, welchen Film sie als nächstes umsetzen - Aladdin oder Arielle?

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Re: Original vs Remake

Post by großkariert » 19 Apr 2018, 20:12

Ich stehe Remakes nicht grundsätzlich skeptisch gegenüber, aber ist euch auch schon aufgefallen, dass es momentan nicht nur die klassischen Remakes gibt? Lange hatte ich das Gefühl, dass Filme, als Filme wieder neu verfilmt werden. Wie zum Beispiel der Schakal von 1973 und 1997. Inzwischen habe ich das Gefühl, dass viele Filme als Serien neu verfilmt werden. Westworld zum Beispiel, wobei ich da bislang nur den Film gesehen habe. Und Herr der Ringe soll auch als Serie zurück auf die Bildschirme kehren.

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Re: Original vs Remake

Post by Luther Herder » 06 Jun 2018, 21:49

Ich mag Remake gar nicht, ich habe noch nie echt klasse Remake gesehen, sehr oft hat er nichts ähnliches mit dem Original.
Du lebst nur einmal, und selbst darin kannst du dir hier nicht sicher sein.

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Re: Original vs Remake

Post by HalberHannes » 12 Jun 2018, 23:43

Natürlich sind die zumeist ganz anders als das Original, das MUSS aber nichts Schlechtes sein. Genau das Gleiche 1 zu 1 nachmachen ist ja oft ein wenig langweilig ODER aber kommt nicht wirklich an das Original ran, weil man zwanghaft etwas wiederholen möchte, was der damaligen Zeit oder Erwartungen geschuldet war.

Ein gutes Remake kann nur versuchen, Fanwünsche nicht völlig zu ignorieren aber sollte ansonsten für sich selbst genommen auch ein gutes Werk sein, unabhängig von der Vorlage.
"“I accept chaos, I'm not sure whether it accepts me.” ― Bob Dylan

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