Einkaufen wird komplizierter

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harald
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Einkaufen wird komplizierter

Post by harald » 13 Apr 2009, 15:36

Tja, ab sofort muss man als Konsument mal wieder genauer schauen, wie viel sich in einer Packung befindet:
news.at wrote:Beim Einkaufen ab sofort Rechnen gefragt:
Einheitsgrößen sind ab heute Vergangenheit

* Gebrauchswaren in beliebig großen Verpackungen
* AK rät zu einem genauen Vergleich der Grundpreise

Großalarm für Mathe-Muffel: Nachdem viele Konsumenten gerade noch die Umstellung auf den Euro verkraftet haben, bekommen wir es nun beim Einkaufen mit einer neuen Herausforderung zu tun. Von heute an fallen EU-weit die Verpackungsvorschriften, die bisher Einheitsgrößen für viele Gebrauchsartikel vorgeschrieben haben. Produzenten dürfen künftig zum Beispiel Zahnpasta, Schokolade, Butter, Milch, Mineralwasser und Zucker in beliebig großer und kleiner Verpackung anbieten. Für Kunden bedeutet die Neuregelung, dass sie ab sofort genauer als bisher auf die Grundpreisauszeichnung schauen müssen, sagte Franz Floss vom Verein für Konsumenteninformation. Mit einer schlagartigen Umstellung der Verpackungsgrößen rechnet er aber nicht.

In das selbe Horn stößt auch Karl Kollmann von der Arbeiterkammer (AK). Er erwartet sich, dass die Umstellung "eher einschleichend ist", da die Konsumenten gewisse Packungsgrößen gewohnt seien. Bei Süßwaren oder Snacks könnte es seiner Meinung nach aber schneller zu einer Umstellung kommen, als in anderen Bereichen. Es könnte auch sein, dass es zu einer Differenzierung zwischen den Ketten kommt.

Kollmann geht ebenfalls davon aus, dass es bei einer Verteuerung der Rohstoffe oder Vormaterialien nicht zu einem neuen Preis, sondern zu einer Veränderung des Inhaltes kommt. Haben beispielsweise 100 Gramm eines bestimmten Produkts 1,99 Euro gekostet, wird das Produkt für den selben Preis nur mehr 80 Gramm Inhalt haben. Mogelpackungen befürchtet der AK-Experte nicht, denn dort wo ein größerer Inhalt vorgetäuscht wird, schiebt das Gesetz einen Riegel vor. Es werde so sein, dass die Verpackungen bei weniger Inhalt kleiner werden.

Die neue Verordnung hat für die Verbraucher zur Folge, dass sie künftig "wesentlich mehr auf die Grundpreisauszeichnung schauen müssen", sagte Floss. Er kritisiert dabei, dass die bisherigen Preisangaben für 100 Gramm oder einen Liter sehr klein gedruckt sind und daher für Ältere nicht deutlich zu lesen sind.
(apa/red)
--Harald
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Post by dejost » 13 Apr 2009, 16:49

Ich hab's eh schon mal woanders geschrieben, als das ganze nur angekündigt war:

Es ist geradezu lächerlich, dass die EU, die bei manchen Sachen den Konsumentenschutz klar höher als den Markt bewertet (Stichwort Roaming), gerade in der Sache plötzlich auf den Konsumentschutz pfeift.

Da das ganze wenig Sinn macht, auch nicht unbedingt im Sinne der Umwelt sind (kleinere Packungen bedeuten mehr Müll, mehr Transport etc), frage ich mich, was wirklich dahinter steckt, dass man eine bestehende und sinnvolle Regelung einfach abschafft.

Auch de ORF sieht das ganze problematisch. Würde mich interessieren, wo da positiver darüber berichtet wird, und mit welchen Argumenten.
Last edited by dejost on 04 Jun 2012, 14:47, edited 1 time in total.

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Post by dejost » 05 Apr 2012, 11:07

http://orf.at/stories/2101498/2101497/
„Dieses Jahr wird das Ende der statischen Preise markieren. Die Verwendung unserer Tweets, der Kreditwürdigkeitsangaben und der Webverlauf bei der Gestaltung der Preispolitik ist beängstigend, aber definitiv unvermeidbar“, so Gannett gegenüber der britischen „Daily Mail“. Was für den Konsumenten ein „schlimmer Alptraum“ sei, ist für Händler ein „Traum“.

Schon jetzt wissen Onlineshops eine ganze Menge über ihre Kunden. Wo diese zuvor eingekauft und welche Seiten sie besucht haben, lässt Rückschlüsse auf die Interessen und das Konsumverhalten der User zu. Gepaart mit Informationen aus Sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook erhalten Händler ein sehr konkretes Bild von ihren Kunden.
„Onlinevermarkter haben die Menge an Daten, die sie über ihre Konsumenten besitzen, enorm erhöht. Sie stammen von komplexen Netzwerken aus Webverläufen, demografischen Aufzeichnungen, Treueprogrammen und immer mehr auch Social-Media-Profilen“, so Gannett zur „Daily Mail“. Eigene Firmen, etwa das Start-up Demdex, haben sich darauf spezialisiert, solche Daten zu sammeln und weiterzuverkaufen. In Zukunft könnte ein Klick auf „Gefällt mir“ auch den Preis eines Produkts ändern. Denn wer großes Interesse an einem Artikel oder verwandtem Gut signalisiert, ist auch eher bereit, dafür mehr zu zahlen.
Der Gründer der Onlineschnäppchenportals Groupon, Andrew Mason, kündigte in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, an, dynamische Preise einführen zu wollen: „Im Laufe der Zeit wollen wir aber Dinge einführen wie etwa dynamische Preissetzung, um die Bedürfnisse der Konsumenten besser zu befriedigen“, so Mason. „Das könnte zum Beispiel so aussehen, dass wir einem Konsumenten, der weiter entfernt von einem Geschäft ist, einfach einen größeren Rabatt anbieten.“

Anstatt beim Bäcker um die Ecke soll der Konsument dann in einem Geschäft zwei Häuserblocks weiter einkaufen, weil dort sein Lieblingsbrot im Angebot ist. Es gebe einen „großen Experimentier- und Entdeckungsspielraum“, sagte Mason. Um diesen Schritt vollziehen zu können, setzt man bei Groupon auf einen „Smart-Deal-Algorithmus“. Gefüttert mit demografischen Daten und Angaben zu den persönlichen Interessen liefert dieser auf den Kunden zugeschnittene Angebote.
Chris Simpson, Marketingchef der Preisvergleichsseite Kelkoo, sagte gegenüber der „Daily Mail“: „Verkäufer verwenden jetzt schon viele, viele Preisgestaltungsstrategien, die den Konsumenten nicht bewusst sind.“ Das sind zum Beispiel regionale Preisunterschiede und natürlich auch Preisunterschiede beim selben Produkt zwischen dem Onlinehandel und dem Kaufhaus. Auch durch Sammeln von Treuepunkten und das Verwenden von Kundenkarten bieten Verkäufer jetzt schon unterschiedliche Preisstrukturen.

Eine wichtige Rolle in der Bildung der Preise spielen im Internet Preisvergleichsseiten: Vera Pesata, Marketingleiterin der österreichischen Preisevergleichsseite Geizhals.at, sagte auf Anfrage von ORF.at, dass mehrere deutsche Händler ihren Kunden schon jetzt individuelle Preise anbieten: Usern, die über den Link einer Preisvergleichswebsite auf die Händlerseite stoßen, werden bessere Preise angeboten als jenen, die direkt den Shop aufrufen.
!!!
Auch bei der „New York Times“ scheint „Behavioural Pricing“ bereits auf der Tagesordnung zu stehen: So verrechnet der Verlag etwa 15 Dollar für das Smarthphone-Abo. IPad-User hingegen müssen 20 Dollar pro Monat berappen, um die Zeitung auf ihrem mobilen Endgerät lesen zu können. Der Hintergrundgedanke, so vermuten Blogger: Jemand, der 500 Dollar für ein Tablet zahlt, ist auch bereit, mehr für die Zeitung zu zahlen als der durchschnittliche Smartphone-User.
Haha!
Eine Errungenschaft, die im Internet in den letzten Jahren erreicht werden konnte, ist eine große Preistransparenz, herbeigeführt unter anderem durch Preisvergleichsseiten. „‚Behavioural Pricing‘ mag zwar der nächste logische Schritt sein, es ist jedoch eine riesige, komplexe Herausforderung für Vermarkter“, sagte Simpson. Die große Gefahr sei, dass Verkäufer mit derartigen Strategien, falls die Konsumenten sie durchschauen, ihre Reputation aufs Spiel setzen.

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