(Bundes-)Hymnenthread

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dejost
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(Bundes-)Hymnenthread

Post by dejost » 13 Jul 2011, 19:22

Wir bekommen, so scheint es, ja eine neue Bundeshymne.

Bei der Gelegenheit habe ich gelernt, dass die Bundeshmyne - wenn überhaupt - nur ein Ministerratbeschluss ist.

So überhaupt jemals wer wegen § 248 Abs 2 StGB in den Knast wandern sollte, würde ich an ihrer Stelle zum EGMR gehen und sagen "was soll des sein, Bundeshymne? Ist ja nirgends gesetzlich festgelegt"

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Post by dejost » 13 Jul 2011, 19:27

Offensichtlich hat der Standard auch keine Angst vor § 248 StGB und stiftet die Userleins an, die Hymne umzudichten.

Mir ist noch nix G'scheites eingefallen, also hier ein paar meiner Favorites:


http://derstandard.at/plink/1310511098777/22014315

Politisches Gebilde mit geographischen Erhebungen, Politisches Gebilde mit Gewässern
Politisches Gebilde mit Landwirtschaftlichen Nutzungsflächen, Politisches Gebilde mit religiösen, aber nicht ausschließlich nur religiösen Bauwerken
Politisches Gebilde mit im Sekundärsektor beschäftigten Personen - zukunftsreich.

Politisches Gebilde mit zahlreichen mehr oder minder bekannten Personen die ihren Wohnsitz hier hatten oder haben. Bevölkerung und mit Interesse für Kunst und Kultur.

Von einer unbestimmten Anzahl von Personen als mehrheitlich positiv bewertetes politisches Gebilde mit Eigenbezeichnung Österreich.

Von einer unbestimmten Anzahl von Personen als mehrheitlich positiv bewertetes politisches Gebilde mit Eigenbezeichnung Österreich.


http://derstandard.at/plink/1310511098777/22008247
Land des Bierzelts, Land des Schnitzls
Land der Keller und der Fritzls,
verlogen und im Rückgrat weich!
Fern bleib' uns das Unbekannte
über uns'rem Tellerrande!
"Mir san mir", mein Österreich.
"Mir san mir", mein Österreich.

Land der vielen Frühpensionen,
wo neun Landesfürsten thronen
und die Krone für uns denkt!
Statt der Universitäten
lasst uns lieber Banken retten!
Zum Glück das Giebelkreuz uns lenkt.
Zum Glück das Giebelkreuz uns lenkt.

Einig Rote und auch Schworze
fühl'n sich wohl in dem Proporze,
während uns die Zeit verrinnt!
Steuerlos treibt unser Land
bald dem Strache in die Hand.
Vorbei die guten Jahre sind!
Vorbei die guten Jahre sind!


http://derstandard.at/plink/1310511098777/22007433
Land der Zwerge, Land der Gnome,
Land der Hetzer und Phantome,
Land der Kammern, spesenreich!
Heimat bist du grosser Blender,
Volksenteigner und Geldverschwender,
kleikariertes Österreich, kleinkariertes Österreich.

Wild wird um die Pfründ´ gestritten,
zwischen Rechten und der Mitten,
Einem Hahnenkamfe gleich.
Hast seit Adolf Hitlers Tagen, Opfermythos stolz getragen, grundverlognes Österreich, grundverlognes Österreich.

Doch es kommen neue Zeiten,
Bonzen wern zum Kadi schreiten,
demutsvoll und tränenreich.
Einig werns mit den Klaqueuren,
Offenbarungseide schwören.
Ausgeraubtes Österreich, Abgestaubtes Österreich.

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Post by dejost » 14 Jul 2011, 10:30

http://derstandard.at/plink/1310511098777/22020790
Land der Söhne großer Väter,
ohne Leistung und Gezeter,
steigen sie steil auf sogleich,
chancenreiches Österreich

Und auch hoher Mütter Töchter,
trifft es selten ungerechter,
ehelichen standesgleich,
reichvermähltes Österreich

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Post by dejost » 15 Jul 2011, 08:56

http://derstandard.at/plink/1310511098777/22025491
Heimat bist du großer Leute,
Diese Zeile paid by "Heute",
Diese paid by "Österreich",
Medienwüste Österreich.

harald
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Post by harald » 15 Jul 2011, 11:07

Zum Thema hab ich folgendes Mail erhalten:
Verehrte ÖsterreicherInnen!

In Zeiten der politischen Korrektheit muss ich auf die unhaltbaren
Zustände in unserer Bundeshymne aufmerksam machen und die unwürdige
Diskussion die nur zu weiterer Diskriminierung führen wird.

Das Ersetzen des Wortes „Söhne“ durch die Kombination „Söhne/Töchter“
zerstört nicht nur den Reim sondern löst auch den historisch
gewachsenen und zur Schaffenszeit politisch als höchst korrekt
empfundenen Textes durch eine offensichtlich diskriminierende
Wortschöpfung ab, die durchaus das Potential hat Unwort des Jahres zu
werden. Die offensichtliche und zum himmelschreiende Verletzung des
Gleichheitsgrundsatzes besteht darin, dass sachlich nicht
gerechtfertigt Söhne vor Töchter gereiht wird. Diese Reihung
impliziert schon an sich, dass Töchter den Söhnen nachgereiht und
somit weniger Wert sind!

Auch eine Umkehrung „Töcher/Söhne“ ist gleichermaßen als
verfassungswidrig zu klassifizieren, weshalb auch bei dieser
Neukreation von einer Aufhebung des geplanten Gesetzes durch den VfGH
auszugehen ist.

Es muss darüber hinaus festgehalten werden, dass auch das Wort
„großer“ vor der Augenblicklich in Betrachtung stehenden Textpassage
jedenfalls politisch als unkorrekt anzusehen ist. „großer“ bedingt,
dass Österreichs Einwohner jedenfalls in irgendeiner Weise mehr
leisten als die Einwohner anderer Länder. Dieser eindeutig
rassistische Ansatz hat in der heutigen Zeit nichts verloren.

Dieses Wort „großer“ hat in unserer Bundeshymne genauso keine
Existenzberechtigung wie die Aufschrift auf die Denkmal zur Erinnerung
an die Schlacht von Aspern 1809 in der von „Österreichs gefallenen
Helden“ die Rede ist. Dies diskriminiert in unerträglicher Weise
unsere lieben Freunde aus Frankreich, die durch die Niederlage bei
Aspern derartig viel menschliches Leid erdulden mussten, für das
Österreich sich bis heute noch nicht einmal offiziell entschuldigt
hat, geschweige denn den Hinterbliebenen und Opferverbänden
entsprechende Entschädigungen gezahlt hat.

Dieses Denkmal ist neben seiner Diskriminierung der Franzosen auch
noch in ungeheurer Weise sexistisch gestaltet und mit Sicherheit ein
Grund für die enorm steigende Sittenlosigkeit in diesem Land. Wenn man
den Löwen, eine Allegorie auf Österreich, der die Franzosen
martialisch zerdrückt von hinten betrachtet, dann sieht man deutlich,
dass dieser Löwe sein riesiges Gemächt unverhüllt zur Schau stellt.
Diese öffentliche Darstellung männlicher Potenz ist kein geeignetes
Vorbild für unsere Jugend.

Das Bundesgesetz zur politischen Korrektheit, welches die
Bundeshymnenänderung beinhalten soll, muss daher unbedingt auch dieses
Schandmal von Wiens Straßen entfernen und aufgrund der in dieser
Gegend Wiens stark zunehmender Einwohnerzahl mit Migrationshintergrund
aus der Volksgruppe der Sikh, sollte diese Volksgruppe ein ihr
entsprechendes Kunstwerk mit unbegrenzten öffentlichen Fördermitteln
and die Stelle setzen dürfen. In Zukunft könnte man dann die daneben
stehende Pfarrkirche Aspern in einen Sikh Tempel umwandeln. Dies um so
auch einen Fortschritt zu erzielen die optisch gleichermaßen
erdrückende wie diskriminierende Dominanz des Christentums in diesem
Land endlich zu beseitigen.

Zurück zum Kernthema der Bundeshymne. Wie könnte nun die derzeit in
Diskussion stehende Textpassage geändert werden, sodass sie endlich
politisch korrekt ist und niemanden diskriminiert. Diese Frage lässt
sich nicht aus einem gesellschaftspolitischen Blickwinkel sondern nur
aus einem neutral wissenschaftlich, biologischen beantworten.

Grundsätzlich sollte auch die Reimform erhalten bleiben und nicht
durch den unwürdigen Versuch entstellt werden mit Gewalt eine
zusätzliche Silbe in die vierte Zeile zu quetschen wie zB bei der
Coverversion von „Love is all around“ mit Namen „Christmas is all
around“!

Durch die gebotene Entfernung von „großer“ ergeben sich bisher
unbeachtete lyrische Potentiale.

Generell muss festgestellt werden, dass jeder Österreicher ein
sexuelles Wesen ist, auch wenn Randgruppen dies leugnen, so herrscht
doch der vielleicht breiteste wissenschaftliche Konsens in dieser
Frage verglichen mit praktisch allen anderen wissenschaftlichen
Tatsachenfeststellungen.

Definitiv sind Personen geschlechtsunabhängig deren sexuelles Begehren
auf Frauen gerichtet ist als lesbisch zu bezeichnen und jene deren
Begehren auf Männer gerichtet ist als Schwul zu bezeichnen. Fallweise
gibt es auch Personen deren Begehren sich auf beiderlei Geschlecht
bezieht.

Nach langer reiflicher Überlegung ergibt sich daher als die einzige
gangbare Lösung die Zeile: „Heimat bist du Schwuler/Lesben“

Ich verbleibe somit in der Hoffung, dass endlich eine
diskriminierungsfreie politisch korrekte Lösung für dieses Land
gefunden worden ist.

LG
xxx
--Harald
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Post by harald » 16 Jul 2011, 19:38

Land der Bienen, Land der Drohnen,
Land, wo Rauch und Kallat wohnen,
Land an Schwachsinn überreich!
Heimat bist Du großer Töne,
Kasperlphrasen, Hohlgedröhne.
/: Sorgenfreies Österreich :/

Heiße Luft spürt man blasen
Aus den Mündern, aus den Nasen,
Birnen qualmen matschig weich.
Krampfhaft links Korrektheit zeigen
Schwarzes Haar vor Rot-grün neigen.
/: Lächerliches Österreich :/

rzte stöhnen, Kassen krachen
Selbst den Spöttern stockt das Lachen.
Doch das alles ist uns gleich.
Wichtig ist der Frau Minister
Hymnenbasteln: „Miss“ statt „Mister“
/: Vielgeprüftes Österreich :/“
--Harald
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Post by dejost » 27 Oct 2011, 07:29

http://derstandard.at/1319181309272/Aen ... ch-du-Land

Ein lesenswerter Beitrag (wenngleich mit zu vielen Rufzeichen!!!), den man am besten im Ganzen lesen sollte.
Oder warum die, die sich für Political Correctness zuständig fühlen, nicht gleich die ganze Hymne auf ihr Zeitgemäßes überprüfen. Was ist schließlich noch unbelastet und zutreffend?

Zum Beispiel der Begriff "Volk". Ist der, nicht nur im "linken" Mainstream, nicht etwas anrüchig geworden und außerdem ziemlich vage? Wer ist damit gemeint? Die "echten" Österreicher des Jahres 1946? Sind das auch die slowenischen, kroatischen, ungarischen Minderheiten? Die Sinti und Roma? Die vertriebenen Juden, die man nur vergessen hatte, wieder zurückzuholen? Und wie ist es heute mit den Migranten? Etwa den Muslimen? Sind die auch "Volk", nur ohne "Dome"?
In manchem hat diese Bundeshymne schon damals nur schwer dieser Wirklichkeit entsprochen. Wir sind kein Land der Dome, auch wenn wir viele Kirchen haben. Wir liegen nicht dem Erdteil inmitten, weder geografisch noch als Brücke zwischen Kulturen (das war einmal!). Es ist auch ein Missverständnis, dass wir so etwas wie Auserwählte der Geschichte gewesen sein sollen, die es noch dazu angeblich immer schwer gehabt hätten ("Hast seit frühen Ahnentagen, / Hoher Sendung Last getragen"). Sind es nicht wir gewesen, die es anderen oft schwer gemacht, die andere Länder mit Krieg überzogen haben? Sind wir wirklich so vielgerühmt, vielgeprüft, vielgeliebt? Und sind wir tatsächlich ein Volk, das für das "Schöne" begnadet ist? Es wird doch nicht ausgerechnet unser Bildungssystem sein, das uns alle zu Ästheten erzieht?

Das Fragwürdige an dieser Hymne sind nicht die "Söhne", auch nicht gewisse nationale Verkennungen, die Hymnen als patriotische PR so an sich haben. Was einem an der österreichischen Bundeshymne beim Singen, so das noch geschieht, doch eher aufstoßen müsste, ist jene überkommene gesellschaftliche Vereinfachung, die ein wenig nach ordnendem Ständestaatdenken aussieht und offenbar auch noch in dem Österreich nach 1945 tief verankert war: die Bauern ("Äcker"), die Geistlichen ("Dome"), die Arbeiter ("Hämmer"), die Hausfrauen und Mütter (als Gebärerinnen der "Söhne"). Und wo es dann doch politische Dissonanz gäbe, wird ohnehin alles vom großkoalitionären Konsens gerettet: den "Brüderchören", damit am Ende die ideologische Kluft geschlossen bliebe, die die Geschichte so belastet.

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Post by dejost » 28 Dec 2011, 10:56

BGBl. I Nr. 127/2011 wrote:Bundesgesetz über die Bundeshymne der Republik Österreich
Der Nationalrat hat beschlossen:
§ 1. Die Bundeshymne der Republik Österreich besteht aus drei Strophen des Gedichts „Land der Berge“ und der Melodie des sogenannten Bundesliedes, beides in der Form der einen Bestandteil dieses Gesetzes bildenden Anlage.
§ 2. Mit der Vollziehung dieses Bundesgesetzes ist die Bundesregierung betraut.
§ 3. Dieses Bundesgesetz tritt mit 1. Jänner 2012 in Kraft.
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