Spiele- und IT-Industrie vs unabhängige Berichterstattung

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Spiele- und IT-Industrie vs unabhängige Berichterstattung

Post by ThePurplePantywaist » 04 Dec 2007, 08:32

kopiert von hier (=Quelle)

http://derstandard.at/?id=3135878

Jeff Gerstmann, seit elf Jahren angesehener Redakteur bei dem Online-Service, verreißt Kane&Lynch : Dead Men so richtig und gibt ihm 6 von 10.

Das
wollte man sich dann bei Eidos offenbar endgültig nicht mehr gefallen lassen. Laut - unbestätigten - Berichten soll das Unternehmen in Folge massiven Druck auf Gamespot ausgeübt haben, und dabei auch mit der Stornierung von sechsstelligen Werbeaufträgen gedroht haben.
Was in weiterer Folge genau hinter den Kulissen vorgegangen ist, ist bislang noch unklar, kurze Zeit darauf wurde Gerstmann allerdings die Kündigung ausgesprochen. Bei CNET heißt es dazu lediglich, dass man keine Redakteure aufgrund des Drucks von Werbekunden hinausschmeiße, ob es einen solchen von Seiten Eidos gegeben habe, wollte man allerdings nicht kommentieren.


Vermutet wird von Insidern jedoch auch, dass der Kane & Lynch-Test nur ein willkommener Anlass für den Rauswurf des Redakteurs gewesen sein dürfte. So sei Gerstmann der Geschäftsleitung schon länger ein Dorn im Auge gewesen, da er mit seinen Berichterstattung bereits mehrmals die Spiele-Publisher verärgert habe.
Ok, summa summarum ist da recht viel vermutet, unbestätigt etc.
Trotzdem, so wie so oft, wenn nur die Hälfte stimmt ist es arg genug.

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Post by ThePurplePantywaist » 23 Jun 2008, 16:18

vom Webstandard
Dass so mancher Spielehersteller immer wieder mal versucht mehr oder weniger freundlich Druck auszuüben, um schlechte Bewertungen ihrer neuen Games zu verhindern, ist weder eine sonderlich gut gehütetes Geheimnis, noch eine große Überraschung - immerhin geht es hier mittlerweile auch um ziemlich viel Geld. Dass auf negative Testberichte mit den UnternehmensanwältInnen reagiert wird, ist dann aber doch eher selten.
Sie hatten alle einen Vorab-Test des neuen Spiels publiziert und waren dabei zu einem negativen Fazit gekommen. Atari unterstellt den Seiten nun unverblümt, dass sie ihre Tests anhand von Raubkopien - die seit einigen Tagen im Netz kursieren - erstellt hätten, und somit das Copyright des Unternehmens verletzt worden wäre.
Mit der Chuzpe "Der unabhängige Test gehört verboten, weil er vielleicht mit einer Raubmordkopie gemacht wurde" trotz First Amendment durchkommen geht echt nur in den USofA.

PS: Kane&Lynch habe ich nicht gekauft, auch als es billig wurde.
PPS: Alone in the Dark rangiert so bei 70% in der XBox und PS2 Version. Echt kein Grund es zu kaufen
PPPS: Tja, obwohl ich es etwas bedauert habe, dass Atari keine Spiele mehr macht, jetzt können sie meinetwegen eingehen.

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Post by ThePurplePantywaist » 06 Feb 2009, 22:16

Gehört genauso in den Ubi- Thread, aber auch hierher:
In the February 2008 issue of Electronic Gaming Monthly, Editor-in-Chief Dan “Shoe” Hsu asserted that Ubisoft had ceased to provide all Ubisoft titles to the EGM for any coverage purposes as a result of prior critical previews and negative reviews.
EGM wiederum ist Jänner 09 eingestellt worden.

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Post by ThePurplePantywaist » 18 Jun 2011, 12:26

Nach 14 Jahren ist der Duke endlich gekommen, und erwartungsgemäß (zumnindest für mich) ist das Spiel Müll.

http://derstandard.at/1308186358154/Twi ... egen-Tweet
Die Agentur, die für „Duke Nukem Forever" die Werbetrommel rühren sollte, drohte Testern, die kein gutes Haar an dem Spiel ließen, öffentlich an, sich künftig gut zu überlegen, wem man Testspiele schicken würde und wem nicht.
Niederschmetternde Kritiken seien kein Grund für derartige Geschützen, erklärte Spieleentwickler 2K Games und feuerte die PR-Agentur für das unprofessionelle Verhalten.
Der über Twitter verschickten Androhung folgten zahlreiche Entschuldigungstweets. Demzufolge reagierte Twitterer und Firmenchef James Redner „total emotional" und auf eigene Faust. Er erklärte „2k Games hatte nichts damit zu tun" und kündigte an, jedem einzelnen Tester eine Entschuldigungsmail zu schicken.
Fatal ist wohl auch, dass der Twitter-Ausrutscher die verantwortliche Werbefirma The Redner Group ihren größten Kunden kostete. Firmenchef James Redner, der höchstpersönlich den folgeschweren Tweet verschickte, realisierte seinen Fehler und kontaktierte die Medien, um den Vorfall zu besprechen. Jedoch zu spät, denn die Geschichte hatte sich - wie im Internet üblich - rasend schnell verbreitet.
Tja, so kann's enden.

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Post by ThePurplePantywaist » 05 Mar 2014, 09:40

http://derstandard.at/1392687075598/Cas ... pft-Presse
Die Benotung selbst bezeichnete [Enric Alvarez, Studiochef von Mercury Steam] als "schrecklich unfair" und ging mit dem Test hart ins Gericht. "Man muss schon blind oder dumm sein, um einem Spiel mit dieser Qualität vier von zehn Punkten zu geben." Die Leute würde so denken, es wäre ein schrottiges Game, das technisch schlecht umgesetzt sei und eine nicht funktionierende Spielmechanik hätte. Daher verdiene der Titel diese niedrige Wertung nicht, zitiert VG24/7 aus einem Interview von Eurogamer Spain.

Einen Seitenhieb gestattete sich Alvarez auch in Richtung der restlichen Spielepresse. "Ich neige dazu positiv zu denken, nachdem ich manche Dinge lese. Ich bin froh, dass manche Leute über Spiele schreiben, anstatt sie zu machen." Seiner Ansicht mangele es der Presse an Professionalismus, schließlich solle sie Dinge nach dem beurteilen, wie sie sind und nicht wie die Tester denken, dass sie sein sollten.
Ich hatte mich noch nicht entschieden, ob ich das Spiel will, aber jetzt hole ich es mir sicher nicht.

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Post by ThePurplePantywaist » 17 Apr 2014, 22:12

http://derstandard.at/1397520870249/Bes ... -7-Tablets
Spielhersteller Ubisoft hat im Zuge eines Presseevents in Paris zum Ende Mai erscheinenden Hacker-Thriller "Watch Dogs" britischen Journalisten einen Rucksack gefüllt mit einem Nexus-7-Tablet geschenkt.
Während es üblich ist, dass Branchenjournalisten für ihre Rezensionen Testgeräte wie Spielkonsolen kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, gibt es für ein allgemein einsetzbares Tablet in dem Fall keinen fachspezifischen Einsatzzweck. "Wenn jemand das nächste Mal darüber redet, dass es keine Bestechung in der Gaming-Industrie gibt, sollten sich alle an die Journalisten erinnern, die das Nexus-7-Tablet auf dem 'Watch Dogs'-Presseevent angenommen haben", twitterte unter anderem Eurogamer- und RockPaperShotgun-Autor Joe Martin.

Einige der beschenkten Journalisten gaben mittlerweile bekannt, die Tablets verlosen oder für einen guten Zweck verkaufen zu wollen.
Ubisoft hat sich unterdessen für die PR-Aktion entschuldigt. Die Geschenke seien nicht in Übereinstimmung mit ihrer PR-Strategie gewesen. Gegenüber der Webseite Arret sur Images hieß es diesbezüglich, dass dies nicht "unseren Richtlinien für die Zusammenarbeit mit Journalisten entspricht, die über unsere Spiele berichten und wir verstehen, dass solche Geschenke falsch interpretiert werden können. Wir entschuldigen uns für alle Unannehmlichkeiten, die dadurch entstanden sind".
Naja, die Unannehmlichkeiten sind ihnen wohl selbst entstanden.

IGN hat sich derweil mit Angry Joe angelegt, der sinngemäß gesagt hat, Titanfall ist überbewertet, aber IGN hat ja nur 8,9 gegeben. Nur 8,9. Was fällt ihm ein? (Angry Joe gehört jetzt übrigens zum Disneykonzern).

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Re: Spieleindustrie v unabhängige Berichterstattung

Post by ThePurplePantywaist » 06 May 2014, 12:22

Das hat keinen spezifischen Anlass, ist aber eine Beobachtung über einen längeren Zeitraum und zeigt wohl schön den Druck auf immer bessere Bewertungen:

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Anm: Ich habe diese Graphik im Web gefunden und weiß nicht, von wem sie ist. Sollte jemand der Urheber sein (oder ihn kennen), bitte ich um Mitteilung.

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Re: Spieleindustrie v unabhängige Berichterstattung

Post by ThePurplePantywaist » 19 Aug 2014, 14:14

Ein gutes Sittenbild über das Verhältnis und vor allem die fehlende Distanz zwischen Medien und den PR-Abteilungen der Firmen, die die Produkte herstellen, um die es beim Gamesjournalismus geht.

http://videogametourism.at/node/2032
Um Missstände in Politik, Gesellschaft oder Industrie aufzudecken, braucht es gemeinhin Informanten oder Whistleblower, die dank Insider-Wissen ein Problem in den Blick der Öffentlichkeit rücken. Bei Games-Medien braucht es die nicht. Missstände lassen sich für jeden in geradezu erschreckendem Ausmaß frei zugänglich im Internet mitverfolgen.

Einen Tag vor Beginn der gamescom in Köln veranstaltete beispielsweise der Publisher Activision vor Ort die pompös inszenierte Vorstellung - neudeutsch "Reveal" genannt - des Mehrspielermodus seines Ego-Shooters Call of Duty: Advanced Warfare. Geladen waren Fachpresse, YouTube-Prominenz und Community-Mitglieder. Das ist grundsätzlich unproblematisch; nirgendwo weltweit dürfte die Anzahl von Medienvertretern mit Gamesbezug an einem Ort höher sein als während der der europäischen Leitmesse in Köln. Dass Activsion, dank Milliardenmarken wie Call of Duty, World of Warcraft und Skylanders mit prall gefüllter Kriegskasse, auch die Anreise der meisten Medienvertreter bezahlte, ist aus presseethischer Sicht sicherlich diskussionswürdig. Die Reisekostenübernahme durch Publisher scheint aber in der Branche ein Standard zu sein.

Sie hält in der Theorie keinen der Beteiligten grundsätzlich davon ab, seriös und neutral über ein Produkt zu berichten - in diesem Fall den Mehrspielermodus von Call of Duty: Advanced Warfare. Aber genau hier ist die Crux an besagtem Event: Das Gebaren der geladenen Medienvertreter lässt insbesondere in sozialen Netzwerken jegliche neutrale Distanz schmerzlich vermissen. Sie fluten Plattformen wie Facebook, Twitter und Instagram mit Fotos und/oder Selfies von der Örtlichkeit, den Begleitumständen oder den kleinen Handreichungen, die als Aufmerksamkeit gereicht werden. Diese Posts beinhalten allesamt wenig bis gar keine Informationen über das eigentliche Spiel. Im Regelfall werden sie sogar stets feinsäuberlich mit dem vom Organisator vorgegebenen Hashtag "#AdvancedWarfareMP" etikettiert. Ein echter Nutz- oder Informationswert für das Publikum lässt sich nicht attestieren. Auch durch den oft angeschlagen freudig-jubeligen Ton verbietet sich im Grunde die Interpretation einer neutralen journalistischen Dokumentation eines Branchenereignisses. Man mag vermerken, dass sich soziale Netzwerke selten als Medium der echten Informationsbeschaffung eignen und prinzipiell allein durch ihre Beschaffenheit eher der Selbstdarstellung dienen. Im Fall von Presse und YouTubern erwächst daraus aber eine fatale Botschaft.

Die Diskussion, ob YouTuber der Fachpresse zuzuzählen sind, soll an dieser Stelle übrigens bewusst ausgeklammert werden. Die verantwortlichen Inhalteersteller auf der Videoplattform flüchten sich bei Kritik stets in das Argument, sie würden lediglich Unterhaltung und keinen Journalismus machen (zuletzt bei der Debatte um bezahlte Let's-Play-Videos) und wären daher nicht an Presse-Standards gebunden.

Fakt ist: YouTuber verbreiten Informationen an ein großes Publikum, sie sind daher den Medien zugehörig. Sie aus einer moralischen Verantwortung gegenüber ihrem Publikum zu entlassen, wäre fahrlässig.

Man darf wohl davon ausgehen, dass keiner der geladener Medienvertreter von Activision im Vorfeld dazu verpflichtet wurde, in sozialen Netzwerken, noch dazu oftmals auf privat geführten Nutzerkonten, in der dargebotenen selbstdarstellerischen Form zu berichten. Trotzdem geschah es vielfach und ausgiebig. Ein Unrechtsbewusstsein oder zumindest Fingerspitzengefühl ist nicht vorhanden, eine Reflexion über die fatale Außenwirkung auf den Konsumenten findet nicht statt. Jegliche folgende Berichterstattung über ein Produkt ist vergiftet, wenn geladenen Event-Gäste wie im aktuellen Fall ihre sozialen Profile nur allzu bereitwillig als Werbefläche für selbiges Produkt bereitwillig anbieten. Die PR-Abteilungen der Industrie nehmen die Einladung natürlich nur allzu dankend an.

Activsion ging sogar so weit, die Anreise einiger Medienvertreter in eigenes für diesen Termin lackierten Bussen zu organisieren, außen mit dem jeweiligen Namen der Journalisten geschmückt. Statt diese Tatsache etwas beschämt zu Kenntnis zu nehmen und sie schnell als das zu entlarven, was sie ist, nämlich der einfach zu durchschauende Versuch der Schmeichelung, werden Fotos davon über die bekannten Kanäle geteilt. Narzissmus und stete Vergewisserung der eigenen Relevanz ist wichtiger als selbst der Anschein der Wahrung von Neutralität und Distanz. Die Medienvertreter lassen sich bereitwillig zu willfährigen Handlangern der Industrie machen, ergießen sich gar stellenweise in beschämender Dankbarkeit für das vermeintliche Privileg und danken es mit kritikloser Hofberichterstattung. Anbiederung bei der Industrie wiegt offenbar wichtiger als eine saubere Weste gegenüber der eigenen Leser- und Zuseherschaft.

Das Dilemma eines jeden Produktjournalismus - die große Nähe und in gewissen Teilen sogar Abhängigkeit von der Industrie - wird sich nie gänzlich auflösen lassen. Aber die Videospielepresse vermeidet oftmals aktiv jede Möglichkeit einer Emanzipation und Distanzierung von der Branche. Bei aufkeimender Kritik durch zu große Nähe oder gar Korruptionsvorwürfen ist der sofortige, wahlweise Empörtheits-, Naserümpf- oder Beißreflex seit Jahrzehnten bestens eintrainiert und daher stets sofort abrufbereit. Man hat es sich in symbiotischer Zweitracht zwischen Presse und Industrie bequem gemacht - der Konsument bleibt außen vor. Bis der Gameskäufer nach der Kasse gemerkt hat, welche Schmierenkomödie ihm da aufgetischt wurde, ist der fröhliche Party-Tross aus Medien und PR schon längst einträchtig zum nächsten Event weitergezogen.

Dabei sind Korruptionsvorwürfe oder zu große Industrienähe keine mysteriöse Krankheit, für die ein Heilmittel erst noch gefunden werden müsste. Nein, Transparenz und angemessene Distanz sind wahre Wundermittel: Sie sind einfach zu bekommen und praktischerweise sogar kostenlos. Kein Journalist wird gezwungen, Fotos mit unkritischen Kommentare auf Promotions-Events über Facebook oder Twitter zu posten.

Ein kurzer Hinweis unter dem späteren Artikel oder Video, dass die Anreise zum Termin auf Einladung und Kosten des jeweiligen Publishers erfolgte, ist keinerlei Mehraufwand, aber schafft Transparenz und Glaubwürdigkeit bei den Lesern oder Zusehern. Und alleine denen sollte, nein darf, sich jeder Medienschaffenden verantwortlich fühlen. Auch wenn das bedeuten mag, dass sein Name beim nächste Mal vielleicht nicht mehr auf dem bereitgestellten Reisebus gedruckt wird.
Der Text wurde VGT anonym zugesandt und unter obigem Link veröffentlicht.

Die Diskussion unter dem Artikel (Link siehe oben) ist auch lesenswert.

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Re: Spiele- und IT-Industrie vs unabhängige Berichterstattun

Post by ThePurplePantywaist » 30 Sep 2014, 12:24

#Bendgate ist mir ziemlich egal, aber die Reaktion von Apple ist interessant:
Unter #Bentgate bzw. #Bendgate kursierten Fotos von Apple-Smartphones, die einen deutlichen Knick entlang der Aussparung der Lautstärketasten aufwiesen. Gemäß Schilderungen ihrer Besitzer sollen diese Verformungen bei normalem Tragen des Gerätes in der Hose geschehen sein.

Was folgte, war breite Berichterstattung. Mittlerweile hat Consumer Report den Biegsamkeits-Mythos zwar entkräftet, bis dahin sind allerdings zahlreiche Videos online gegangen, in welchen das große Telefon Biegetests verschiedener Intensität ausgesetzt wird.
Auch die deutsche "Computerbild" (Axel Springer-Verlag) hatte es sich nicht nehmen lassen, das iPhone 6 Plus vor laufender Kamera zu strapazieren. Chefredakteur Axel Telzerow nahm sich der Aufgabe persönlich an. Er bog und begradigte das Gerät und verglich es dabei mit Samsungs Galaxy Note 3. Die Biegung des Apple-Geräts gelang, das Konkurrenzprodukt ließ sich hingegen nicht aus der Form bringen. Dementsprechend wurde nicht mit Kritik gespart.
Am 26. September, zwei Tage nachdem die Aufnahme online ging, sorgte schließlich ein Tweet von Telzerow für Aufregung. "Apple-Reaktion zu "Bendgate": Computerbild wird nicht mehr zu Events eingeladen und bekommt auch keine Testgeräte mehr", schrieb dieser und ergänzte die Botschaft mit dem Hashtag "#Kindergarten". Laut seiner Schilderung hatte ein Vertreter von Apple in der Redaktion angerufen und diese Maßnahmen bekanntgegeben.
Streisand-Effekt, das Video ist dadurch nur noch bekannter geworden.
Mittlerweile hat sich Telzerow mit einem offenen Brief an Apple-CEO Tim Cook gewandt. Dort betont er, dass man wie andere Medien auch sehr gespannt auf die neuen iPhones gewartet habe und den eigenen Lesern kritische Betrachtung möglicher Mängel schuldig sei.

Das im Video verbogene iPhone habe man selbst erworben, auf Testgeräte von Apple sei man nicht angewiesen. "Lieber Herr Cook – stellen Sie sich so den Umgang mit kritischer, unabhängiger Presse vor?", fragt der Chefredakteur und kritisiert "Respektlosigkeit" Seitens Apple.
Eine Reaktion Apples ist laut Webstandard noch nicht erfoglt.
Der Vorfall erinnert an eine Auseinandersetzung zwischen Apple und dem Techblog Gizmodo. Dort hatte man sich im April 2010 einen in einer Bar vergessenen Prototypen des noch nicht veröffentlichten iPhone 4 beschafft und ausführlich darüber berichtet. Infolge dessen stellte Apple sämtliche Kooperation mit dem Medium ein und schaltete die Behörden ein, was unter anderem zu einer Beschlagnahmung der Computer des verantwortlichen Redakteurs Jason Chen geführt hatte.
http://derstandard.at/2000006220236/Nac ... terbild-ab

Einige Standardposter weisen darauf hin, dass Computerbild jetzt nicht unbedingt den Zenit des objektivem IT-Qualitätsjournalismus darstellt.

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Re: Spiele- und IT-Industrie vs unabhängige Berichterstattun

Post by ThePurplePantywaist » 20 Oct 2014, 14:07

#WarnerBros mit #ShadowsofMordor vs unabhängige Berichterstattung.

Total Biscuit und Jim Sterling berichten, dass die von WarnerBros beauftragte PR-Firma Reviewern (unklar, ob allen oder nur Youtubern) einen ziemlichen Knebelvertrag reingedruckt, hat, vgl zB https://www.youtube.com/watch?v=wjQHfX4WF4U.
wjQHfX4WF4U

Standard und Videogametourism haben auch Reviews gehabt, weswegen ich erstere angeschrieben habe:
Hochverehrter Games-Standard!

Mit Freude habe ich die rezenten Versuche des PR-Studios von Warner Bros zur Kenntnis genommen, in zeitlicher Nähe zu dem ganzen #GamersGate-Drama das Vertrauen in die unabhängige Berichterstattung zu untergraben.

Sie werden eh wissen, worum es mir geht, es sind die Knebelverträge, die Reviewer mutmaßlich abschließen mussten, um Shadow of Mordor bewerten zu müssen,

Ihr Artikel von Koll. Rainer Sigl enthielt folgenden Hinweis:
Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das getestete Rezensionsexemplar für PS4 wurde von Warner Bros. Interactive zur Verfügung gestellt.

Als Stammleser/in, Internetnutzer/in und Videospieler/in, der/ie sich SoM eigentlich kaufen wollte, würde mich interessieren, ob auch Sie einen derartigen Knebelvertrag unterfertigt haben, falls ja, ob da so drinnen steht, was Jim Sterling & Co berichten etc und ob Sie derartiges problematisieren werden/würden/wollen.

Würde mich über eine Antwort außerordentlich freuen,

Ihr
Purple Pantywaist
Für Videogametourism habe ich keine Email gefunden, deswegen habe ich halt hingepostet. Über eine allfällige Antwort werde ich zeitnah informieren.

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Re: Spiele- und IT-Industrie vs unabhängige Berichterstattun

Post by ThePurplePantywaist » 20 Oct 2014, 14:25

Kaum habe ich das obige gepostet (bzw getwittert) schon die Antwort:
wir haben das Rezensionsmuster ganz normal auf Anfrage ohne vertragliche Bindung erhalten. Manches Mal wollen Hersteller mit NDAs sicherstellen, dass keine kritischen Passagen gespoilert werden. Andersartige Vereinbarungen gehen wir als DER STANDARD nicht ein (wurde aber bisher von Herstellerseite auch noch nicht versucht).
KundInnenservice, integere Gebahrung.
Wäre ich nicht schon Fan/in des Gamesstandard, ich müsste es noch schnell werden.

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Re: Spiele- und IT-Industrie vs unabhängige Berichterstattun

Post by ThePurplePantywaist » 21 Oct 2014, 12:46

Mittlerweile hat mir auch Rainer Sigl persönlich geantwortet.

Seine Antwort finde ich deswegen besonders spannend, weil er schreibt, das ist primär ein Problem der Games-Presse und der Utuben, "breitere" Medien wie Standard, FM4 udgl betrifft das nicht. Den Link zu Gamasutra (http://www.gamasutra.com/view/news/2196 ... verage.php) finde ich auch recht spannend, da haben sie nämlich Utuben befragt.

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Re: Spiele- und IT-Industrie vs unabhängige Berichterstattung

Post by ThePurplePantywaist » 22 Mar 2016, 08:11

Jim Sterling gegen Unity-Asset-Flipper-Shovelware-Produzent. Das ist Brutalität. #jimquisition
http://derstandard.at/2000033312633/Erb ... nen-Dollar
Der Spielhersteller Digital Homicide verklagt den populären Videospielkritiker James Stanton, bekannt als Jim Sterling, auf[...]Schadensersatz. Der Klage zufolge, die im Bezirksgericht von Arizona eingereicht wurde, seien 2,6 Millionen Dollar davon auf direkte Produktschädigung, 4,3 Millionen Dollar auf emotionales und finanzielles Leid sowie Rufschädigung und fünf Millionen Dollar auf Strafschadensersatz zurückzuführen.
Der Streit zwischen den beiden Parteien läuft bereits seit einigen Jahren. 2014 nominierte Sterling den ersten Shooter des Studios "The Slaughtering Grounds" zum schlechtesten Game des Jahres. Daraufhin veröffentlichte das Team von Romine zwei Videos, in denen Sterlings Herangehensweise kritisiert und er sogar als "verdammter Idiot" beschimpft wurde, der das Spiel nicht korrekt getestet habe.
Der Kläger vertritt sich selbst. Entweder hat ihm jeder Anwalt gesagt "Ich vertrete Sie gerne, aber gewinnen werden wir nicht", oder der leidet an noch mehr Selbstüberschätzung als Jim Sterling.

Chancen hat der keine, ist wohl ein Fall von "There is no bad publicity".
Sollte ich irgendwann das Ergebnis dieses Verfahrens finden, werde ich es posten. Falls jemand Jim Sterlings nächstes Video dazu sieht, würde ich mich freuen, wenn's wer postet.

Fuxi

Re: Spiele- und IT-Industrie vs unabhängige Berichterstattung

Post by Fuxi » 05 Oct 2016, 21:01

Schön romantisch aber auch der Firmenname "Digital Homicide". Irgendwie entwaffnend (sic!) ehrlich...

Wäre ich McDonalds-Franchisenehmer, würde ich meine Firma auch "Die Fettmacher GmbH" nennen.

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Indiedeveloper droht Testern, keine Keys für Reviews zu schicken, wenn sie kritisch rezensieren.

Post by ThePurplePantywaist » 19 Jan 2017, 14:14

Indiedeveloper droht Testern, keine Keys für Reviews zu schicken, wenn sie kritisch rezensieren

http://cogconnected.com/2017/01/develop ... outlets-2/
Dort gibt es den Großteil des Briefs, den Anlass gibt folgende Passage:
Also, we’re working on several other games that are definitely interesting, and if your review or preview of Dead Effect 2 is very negative, you won’t receive any keys from us in the future.
http://derstandard.at/2000051111038/Spi ... -Wertungen
Es ist also irgendein Indiestudio, die machen Spiele, die mich an Mockbuster errinnern, also eher geschmacklos und wirken - inklusive des Titels (Dead Space meets Mass Effect in diesem Fall) - irgendwie abgekupfert. Kritiken sind - sagen wir mal höflich - eher durchwachsen. DIe Entwickler sagen, es liegt daran, dass man sie mit Triple A Titeln vergleicht, die ein größeres Budget haben usw.
Das ist das eigentliche Ziel des Briefs gewesen, hier um Nachsicht zu ersuchen oder zumindest fairere Vergleiche.

Eine Diskussion, was ist denn überhaupt noch Indie heutzutage will ich hier nicht führen.
Zu dem Thema muss ich aber anmerken, dass man als Indie puncto Graphik, Orchestrierung und ich nenne das für gewöhlich Polier, man kann's aber auch Fluff oder sonst wie nennen, schlecht bis gar nicht mit einer Großbudgetproduktion mithalten kann. Was aber den Spielspaß anbelangt, soll die Latte gleich hoch liegen, und legendäre Indieperlen wie zB Dungeons of Dredmor können was kurz- und langfristigen Spielspaß anbelangt mit sehr vielen AAAs mithalten. (Und wer masochistisch veranlagt ist, der kann bei Indies ja sowieso aus dem Allervollstens schöpfen, von Binding of Isacc inkls DLC & Remake bis zu FTL gibt es ja unzähliges, wo man wieder und wieder und wieder verlieren kann).
Also, die Intention ist zwar verständlich, meiner Meinung nach aber trotzdem falsch. Und dann mit der Drohung überhaupt jenseits von gut und böse.

Zurück zur Drohung:
Damit schneiden sie sich doch nur ins eigene Fleisch, und damit meine ich nicht, dass den Medien drohen selten klug ist. Deren Spiele kosten derzeit so 5-20€, jeder der nicht nur hobbymäßig (so wie die freundliche Hüfthose aus der Nachbarschaft) Spiele testet, kann sich das ohne mit der Schulter zu zucken leisten (und von der Steuer absetzen). Wenn einem der unbekannte Entwickler bzw Verleger (in dem Fall sind sie beides in einem) aber blöd kommt, und das Spiel auf den ersten Blick schon wenig ansprechend erscheint, wozu sich die Mühe machen? Ich würde (bzw habe und werde) deren Produkte gänzlich ignorieren, es ist ja nicht so, dass so wenig Spiele rauskommen, dass man jedes einzelne rezensieren muss, sonst hat man nix zu schreiben (so wie es so manchem Hobby-Blogger geht).
Mit dem Verschenken von Keys erhöhen sie die Chancen, dass einschlägige Portale über ihre Spiele berichten.
Und schlechter als schlechte Kritiken sind nur gar keine Kritiken.

Im Standardforum wird gemunkelt, das ganze sei nur ein (schlechter) PR-Gag. Zwar glaube ich das nicht, aber es hätte immerhin funktioniert als sogar ich & http://kortz.atnun darüber berichtet haben.

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